Bernhard Studer (1832–1868) Landschaftsmaler

Biographie und Werkverzeichnis

Markus Husy/Dieter Albert

Februar 2017

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Bernhard Studer um 1854, Karikatur aus Skizzenbuch, Künstlerverein Malkasten, Düsseldorf

Inhalt
Vorwort
In Gunzgen geboren
Erste Jahre in München
Ausbildung an der Kunstakademie Düsseldorf
Ausbildung an der Kunstakademie in Karlsruhe
Letzte Jahre in München
Seine Bilder
Anmerkungen
Literatur
Quellen
Werkverzeichnis Bernhard Studer


Vorwort

In den Oltner Neujahrsblättern erschien im Jahre 1983 unter dem Titel „Bernhard Studer –  der vergessene Maler aus Gunzgen“ eine kurze Biographie dieses Malers zu seinem 150. Geburtstag. Das damals von Jules Pfluger sehr gut recherchierte Künstlerporträt war der Versuch, einen Künstler, der hauptsächlich regionale Beachtung in der Schweiz gefunden hatte, wieder in Erinnerung zu rufen. Eine Übersicht über die bekannten Werke Studers war damit allerdings noch nicht verbunden. Dies soll hier nun endlich nachgeholt werden.

Bernhard Studer gehörte zu einer Reihe von nahezu unbekannten akademischen Malern des 19. Jahrhunderts, die sicher vor allem deswegen in Vergessenheit gerieten, weil sie zu einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr en vogue waren und häufig als unbedeutend oder „langweilig“ abgetan wurden. Dazu mag auch die Motivwahl dieser Künstler beigetragen haben, die in neueren Zeiten oft als überromantisierend oder kitschig empfunden wurde. Tatsächlich war der Grad zwischen Kunst und Kitsch gerade in der Landschaftsmalerei ziemlich schmal und die Bilder dieser Maler zeigen eine Welt, die es so nicht mehr gibt – von der Industrialisierung unberührte, idyllische Landschaften, insbesondere der Alpenwelt. Oft war leider auch finanzielle Not die Triebkraft, dem Geschmack des bürgerlichen Publikums jener Zeit nur allzu gerne nachzugeben. Dabei haben diese Künstler aber meistens grosses handwerkliches Können bewiesen. Die Malweise dieser Künstler, beruhend auf perfekter Zeichnung, führte oft zu hervorragenden detaillierten Gemälden. Grundlage dieser Gemälde war die genaue Beobachtung der Natur, mit der Absicht, Licht und Atmosphäre einzufangen, und so entstanden zumeist sehr poetische Stimmungslandschaften in glänzendem Kolorit. Einige Künstler dieser Epoche konnten bereits zu ihrer Zeit grosse Erfolge feiern, die meisten jedoch verdienten mit ihrer Kunst gerade mal so viel, wie sie zum Überleben brauchten. Für beide Gruppen gilt allerdings, dass sie im 20. Jahrhundert schnell in völlige Vergessenheit gerieten. Grossen Anteil hatte daran sicher das so genannte „Diktat der Moderne“, die Fixierung der Kunstwissenschaft auf den Impressionismus und die nachfolgenden Avantgarden. Die Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts wurde so zu einer Randerscheinung degradiert.

Wann ist ein Künstler „relevant“, „bedeutend“ oder „beachtenswert“? Vor dieser Frage standen auch wir als Verfasser dieses Werkverzeichnisses vor einigen Jahren, als wir über die Recherchen zu Bernhard Studer, dem Schweizer Landschaftsmaler aus Gunzgen, Kontakt zueinander bekamen. Aus ähnlichen Motiven hatten wir begonnen, uns mit diesem Künstler zu beschäftigen und waren dabei schnell auf bemerkenswerte Ergebnisse gestossen. Studer – ein vergessener Maler, wie so viele Maler des 19. Jahrhunderts. Studer – ein talentierter Maler, dem der große Erfolg zu Lebzeiten verwehrt blieb. Studer – einer dieser „gescheiterten“ Maler?

Auch bei Bernhard Studer lagen Erfolg und Scheitern eng beieinander. Hoffnungsvoll in eine akademische Ausbildung gestartet, konnte er den Ansprüchen, die an einen guten Landschaftsmaler gestellt wurden, zunächst über einen längeren Zeitraum genügen. Immer wieder hat er sich mit seiner heimatlichen Landschaft, dem Gäu, auseinandergesetzt und dabei Anerkennung und Zuspruch erfahren. Jedoch führten bestimmte Charaktereigenschaften Studers gepaart mit einigen unglücklichen Umständen dazu, dass sein Lebenslauf eines erfolgreichen bildenden Künstlers zu keinem richtigen Höhepunkt führte und er recht früh verarmt und verschuldet in München starb. Wäre seine Lebensgeschichte anders verlaufen, hätte er genügend Talent gehabt, in die Liga der grossen Schweizer Maler des 19. Jahrhunderts aufzusteigen?

Der Beitrag von Jules Pfluger bildet in dieser Biographie die Grundlage und wird ergänzt durch Informationen aus neueren Recherchen in Deutschland, die bereits 2007 in einem Beitrag der Autoren im „Jahrbuch für Solothurnische Geschichte“ (Bd. 80) aufgegriffen wurden.  Mit zwei Karikaturen von Studer, die im Archiv des Düsseldorfer Künstlervereins „Malkasten“ gefunden wurden, konnten wir dem Maler endlich auch ein Gesicht geben. Ausserdem konnten Aufenthalte in Karlsruhe und München genauer belegt werden. Illustriert wird sein Lebenslauf  durch Schilderungen von Zeitzeugen und Malern, die mit Studer gemeinsam an der Kunstakademie Karlsruhe in der Landschaftsmalerei unterwiesen wurden. Es ist letztlich der Versuch, das Wesen und den Charakter dieses Künstlers, der so früh starb und über den so wenig bekannt ist, und die Umstände seines Schaffens etwas näher zu beleuchten.

Daneben wurde ein Werkverzeichnis mit Abbildungen der heute bekannten Werke erstellt. Anlässlich seines 175. Geburtstages konnten im September 2007 erstmals 14 seiner Gemälde in einer Ausstellung auf Schloss Neu-Bechburg bei Oensingen im Kanton Solothurn gezeigt werden. Für uns bleibt zu hoffen, dass durch dieses Werkverzeichnis noch weitere Bilder von Bernhard Studer ans Licht der Öffentlichkeit befördert werden.

Markus Husy / Dieter Albert

In Gunzgen geboren

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Gunzgen, Kirche erbaut 1860 – Gemälde des Gäuer Malers Werner Studer

Bernhard Studer wird am 5. August 1832 als erstes von vier Kindern
des Flachmalers Leonz Studer
 (1805–1868) und der Magdalena Schenker (1798–1838) von Boningen in dem kleinen Dörfchen Gunzgen im Kanton Solothurn geboren.1 Seine Kindheit fällt in eine Zeit, die von schwerer wirtschaftlicher Not geprägt ist. Der Ort Gunzgen liegt im Gäu, einer malerischen Ebene, die im Norden durch das Juragebirge und im Süden durch die Aare begrenzt ist. In den dreissiger Jahren des 19. Jahrhunderts leben in dieser Ortschaft zwar nur einige hundert Menschen, aber es sind zu viele, um allen Erwerb und Brot zu geben. Wie in vielen ländlichen Gegenden des Alpenraums, so bestimmen auch hier Armut und Hunger den Alltag der Menschen. Der karge Boden bietet nur bescheidenen Ertrag und besonders im Gäu verschärfen Missernten die Lage der Menschen immer wieder aufs Neue. Viele Bewohner dieser Gegend sind auf Almosen angewiesen.

Die Chronik der Gemeinde Gunzgen vermittelt ein sehr anschauliches Bild dieser Zeit: „Außer einigen Bauern und Handwerkern sind die meisten Leute sehr arm, was vor allem junge Männer dazu bewegt, in fremde Kriegsdienste zu treten. Auch nachdem sich die Situation bessert, bleibt die Armut ein Problem, so dass 1832 eine Armenkommission eingesetzt werden muss. Über Jahre hinweg werden jene, denen es etwas besser geht, verpflichtet, einige Körbe Kartoffeln, sowie einige Maß Gerste und Erbsen als Almosen für die Notleidenden bereitzuhalten. Als almosenberechtigt gilt nur, wer dafür eine behördliche Bestätigung einholt. Wer über dieses Papier verfügt, darf jeweils nach dem Sonntagsgottesdienst nach Almosen betteln gehen.“ 2

Bernhard Studer wächst zudem in einer Region auf, die von der Industrialisierung noch kaum erfasst ist. Hier dominieren noch die Land- und auf den Jurahöhen die Alpwirtschaft. Obwohl sich die Schweiz wirtschaftlich weiterentwickelt, hat dies für den ländlichen Raum zunächst kaum Auswirkungen. Noch behindert die kantonale Aufsplitterung  (verschiedene Zölle, Währungen, Masse, Gewichte) eine Expansion des freien Unternehmertums. Ausserdem herrscht nicht nur in Zeiten der Krise Not, sondern auch in Phasen des Aufschwungs und der fetten Gewinne. Grosse Teile der Bevölkerung haben keinen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg, sondern müssen ums Überleben kämpfen. Viele Menschen verlassen den ländlichen Raum und suchen in den Städten nach Arbeit. Andere gehen ins benachbarte Ausland oder wandern nach Übersee aus, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Die Gemeinden sehen in der Auswanderung die willkommene Möglichkeit, Arme und andere „unerwünschte Elemente“  loszuwerden. Auch Bernhard Studers jüngster Bruder, Felix Christian Studer, wird später einmal auswandern.3

Jahre später hat sich die Lage in dem kleinen Dorf immer noch nicht gebessert, im Gegenteil. Die Bevölkerung im Bezirk Olten nimmt stetig zu und es gibt immer weniger zu verteilen. 1837 zählt Gunzgen bereits 539 Einwohner. Die Massenarmut, die erst im so genannten Hungerjahr 1847 ihren Höhepunkt erreichen soll, ist verbunden mit Mangelernährung und erhöhter Anfälligkeit für Krankheiten und frühen Tod. Im Jahre 1838 stirbt Bernhard Studers Mutter. Für den Vater ist es nach dem Tod seiner Frau keine leichte Aufgabe, die vier kleinen Kinder durchzubringen. Bernhard ist inzwischen sechs Jahre alt und für ihn beginnt jetzt die Schulzeit in der Dorfschule in Gunzgen.

Glücklichen Umständen ist es zu verdanken, dass die schulische Erziehung der Kinder in dieser Region zunehmend an Qualität gewinnt. In Gunzgen besuchen 75 Schüler, darunter auch der junge Bernhard Studer, die Landschule im  Dorf. „Der einzige Lehrer … macht seine Sache so gut, dass Gunzgen laut Bericht des Erziehungsdepartements in Bezug auf die Ausbildungsqualität von 18 geprüften Schulen im Bezirk Olten den 5. Rang belegt.“ Und dieser Lehrer sorgt schliesslich dafür, dass der junge Bernhard noch weiter zur Schule gehen kann.

Studer wird zunächst zur Bezirksschule Neuendorf geschickt. Hier fällt er bereits durch sein zeichnerisches Talent auf. Diesem besonderen Geschick ist es zuzuschreiben, dass er schon sehr bald an die Zeichnungsschule nach Olten empfohlen wird. An dieser Schule ist es der Bildhauer Johann Georg Lüthy (1813–1868), ehemals Lehrer an der Schnitzerschule in Brienz, der den jungen Bernhard Studer in das Kunstschaffen einführt. Lüthy  erkennt das Potenzial, das in Studer steckt. Dieser lernt schnell und wird schon nach kurzer Zeit nach Solothurn vermittelt.

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Gaudenz Taverna

Im Verzeichnis der Schüler der Höheren Lehranstalt in Solothurn wird er in den Jahren 1849/50 als Hospitant in der Technischen Abteilung und in der Zeichnungsschule des Lehrers Gaudenz Taverna (1814–1878) geführt.5  

               Auf dem Lehrplan stehen das Freihandzeichnen nach Vorlagen und plastischen Modellen sowie ausgeführte Landschaften nach Vorlagen von Jules Coignet und Alexandre Calame. Ausserdem werden die Schüler in der Anatomie der menschlichen Figur unterwiesen. Gaudenz  Taverna  ist ein Portraitmaler,  ausgebildet an der Accademia di San Luca in Rom, und zählt zu den Mitbegründern des Solothurner Kunstvereins im Jahre 1850. Einige ausgewählte Schüler erhalten bei ihm über die Unterweisung im Zeichnen hinaus auch schon Unterricht in der Ölmalerei. Und Studer gehört ganz sicher zu den „Vorgerückten“, denn im Zeugnis bekommt er das Prädikat „ausgezeichnet“. 6           Inzwischen steht für ihn auch fest, dass er sich zum Maler ausbilden lassen will und alle, insbesondere Gaudenz Taverna, reden ihm zu. Die Ausbildung, die er bis hierher erhalten hat, ist ein ideales Sprungbrett für die Kunstakademie und damit erhält er gleichzeitig die Möglichkeit, die arme Gegend in der Schweiz zu verlassen und sein Glück in der Ferne zu suchen.

In der Deutschschweiz gibt es zu dieser Zeit noch keine Kunstakademie. Neben Paris befinden sich die bedeutenden Akademien in München und Wien. Und wie so viele andere Schweizer Künstler zieht es Bernhard Studer nach München, der „künstlerischen Hauptstadt“ der Schweiz. Neben finanziellen Gründen – München ist billiger als Paris und Wien und zudem leichter zu erreichen – spielen sicher auch Mentalitätsaspekte und die Sprache eine wichtige Rolle bei der Auswahl der Akademie. In München soll er sich den Schweizer Malern anschliessen, wie ihm geraten wird.

Studer will Landschaftsmaler werden. Die Bilder eines Calame und anderer grosser Künstler, die er unter der Anleitung von Taverna in Solothurn oder bei den seit 1840 stattfindenden Turnusausstellungen in der Schweiz zu Gesicht bekommen hat, haben einen mächtigen Eindruck bei ihm hinterlassen. Für die Portrait- oder Genremalerei interessiert er sich wenig. Er hat ein besonderes künstlerisches Interesse an der Natur entwickelt und insbesondere die heimatliche Landschaft, „das Gäu“, hat es ihm angetan.

Erste Jahre in München

Mit 18 Jahren besorgt sich Studer einen Reisepass. Sein Signalement darin lautet:  „Größe: 5 Fuß, 7 Zoll (1.71m); Haare: dunkelbraun; Augenbrauen: braun; Stirn: frei; Nase gewöhnlich; Mund: mittel; Kinn: oval; Gesicht: oval; Keine besonderen Kennzeichen.“ 8

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Ausschnitt aus dem Matrikelbuch der Kunstakademie München (1850)

Jetzt reist er mit zwei Mitschülern auf Anraten seiner Lehrer zur weiteren Ausbildung nach München, wo er sich am 16. November 1850 an der Kunstakademie einschreibt. Studer erhält bei der Einschreibung die Matrikelnummer 831: Im Matrikelbuch der Akademie steht: „Geburtsort und Stand der Aeltern: Gunzgen im Canton Solothurn, Schweiz, Vater Flachmüller, Alter 18, Kunstfach Malerei, Tag der Aufnahme: Jahr:1850, Mon.: Nov, Tag:16“ Mit ihm zusammen schreiben sich am selben Tag noch zwei weitere Schweizer aus dem Kanton Solothurn an der Akademie ein. Es sind dies der dreiundzwanzigjährige Gottlieb Müller aus Olten und der neunzehnjährige Xaver Vogelsang aus Solothurn. Beide wollen ebenfalls Malerei studieren. 9

München ist zu dieser Zeit ein wichtiges Zentrum für die Kunst in Deutschland. Im Jahr zuvor ist Wilhelm von Kaulbach (1804–1874) zum Direktor der Kunstakademie ernannt worden. Unter ihm erlebt die Akademie eine Blütezeit. Die Landschafter haben hier reichlich Gelegenheit, grossartige Künstler wie Johann Georg von Dillis, Carl Rottmann, Christian Morgenstern oder Eduard von Schleich d.Ä. vor Ort zu studieren. Diese Maler sind im Bereich der Landschaftsmalerei noch stilistisch richtungsweisend für die Entwicklung der im Umkreis dieser Akademie beheimateten Münchner Schule.  Ausserdem bietet die Alte Pinakothek in München für die Schüler der Akademie eine Fülle von Anschauungsmaterial. So können hier auch die niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts studiert werden.

Neben ihrer Rolle als Ausbildungsstätte ist die Akademie aber auch eine Künstlergesellschaft. Gemeinsame Reisen in die alpenländische Welt in der Umgebung von München und vor allem das gemeinsame Singen und Feiern im Künstlergesangverein „Neu-England“ bereichern den Aufenthalt in der Stadt. Für die Schweizer Künstler bietet der 1848 gegründete „Schweizer Verein“, dem auch Studenten und Wissenschaftler angehören, einen zusätzlichen Sammlungspunkt in München.

Mitte des 19. Jahrhunderts hat die Münchner Akademie bereits einen weltweit führenden Ruf. Die Situation an der Ausbildungsstätte ist allerdings immer noch geprägt von den Nachwirkungen „des ideologischen Kampfes zwischen den klassisch-klassizistischen Akademikern und den romantischem Gedankengut huldigenden Landschaftern“ und traditionell bedeutet ein Studium für einen werdenden Landschafter, dass er sich neben dem Studium an der Akademie weitere Kenntnisse und Fertigkeiten in einem privaten Atelier erwerben muss. 10

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Well- und Wetterhorn – Gemälde von Carl Millner. Dasselbe Sujet malt Studer später auch

Bernhard Studer sucht nicht lange und findet  Arbeit im Atelier des  einige Jahre älteren Landschaftsmalers Carl Millner (1825–1895), der auch gerade nach München gezogen ist. 11 Millner bevorzugt romantische Gebirgsszenerien und ist schon bald ein beliebter Maler beim bürgerlichen Publikum. Sehr wahrscheinlich besucht Bernhard Studer auch das Atelier von Johann Gottfried Steffan (1815–1905), ein bedeutender Schweizer Landschaftsmaler, bei dem sich in diesen Jahren viele Schweizer Künstler zum Austausch treffen. Steffan ist auch so etwas wie eine Vaterfigur für die jungen Schweizer Künstler in München, die sich stilistisch einem gewissen Standard nähern wollen und dennoch bei ihren heimatlichen Motiven bleiben. Er ist zu diesem Zeitpunkt bereits ein herausragender Vertreter der idealisierten Landschaftsmalerei, der sich jedoch mehr und mehr einer realistischen Darstellung zuwendet.

Studer holt sich bei den Schweizer Kollegen sicher bereits erste Anregungen für seine späteren Werke. Gemalt werden immer noch vorwiegend Landschaften mit weiten Horizonten und hohen Himmeln, die bestimmte dramatische Stimmungen in der Natur zeigen sollen, wobei das Licht des Morgengrauens, der warmen Abenddämmerung, des düsteren Nebels oder der klaren Mittagssonne eingefangen werden. Skizzen werden meistens vor Ort gemacht, die Ausgestaltung der Bilder, teilweise ergänzt durch Staffagen, die ins Bild hineinführen sollen, erfolgt jedoch weitgehend im Atelier. 12  

Bernhard Studer beschäftigt sich nur selten mit der Gebirgsmalerei der Hochalpen, den schneebedeckten Bergen und den „rauschenden“ Wasserfällen, die beim Publikum so gefragt sind. Seine Bilder geben nicht unbedingt Dramen in der Natur wieder – im Gegenteil. Sie stellen eher die Ruhe und Beschaulichkeit der weiten Landschaften oder der dörflichen Idylle dar. Und damit orientiert er sich eng an seinem heimischen Markt in der Schweiz, doch große kommerzielle Erfolge bleiben ihm vorerst versagt.

Die finanziellen Mittel Studers sind in der aufblühenden Kunstmetropole München schnell aufgebraucht. Das Geld für Unterkunft, Verpflegung und nicht zuletzt für Material wie Papier, Stifte, Farben usw. wird immer knapper. Und schon bald sind auch die finanziellen Mittel des Vaters erschöpft. Studer plagen Selbstzweifel und er kehrt ernüchtert nach Gunzgen zurück. War der Wunsch, Maler zu werden, doch nur ein Traum? Ist sein Talent ausreichend? Kann er mit den Künstlern, die er in München gesehen hat, mithalten? Und dann ist da noch das Heimweh, das ihn plagt. 1852 hält er sich fast das ganze Jahr in der Schweiz auf. Er macht Skizzen und fertigt kleine Bildchen an, mit denen er sich über Wasser hält. Und er erhält weiterhin Zuspruch.

Schliesslich wagt Bernhard Studer einen zweiten Anlauf, doch er will nicht nach München zurück. Er ist inzwischen auf eine kleinere Kunstschule am Rhein aufmerksam gemacht worden, die seit einigen Jahren für Aufsehen gesorgt hat und einen ausserordentlich guten Ruf in Deutschland und im Ausland besitzt. Praktisch jeder Maler, der etwas auf sich hält, will hier einen Teil seiner Ausbildung absolvieren. Die kleine rheinische Stadt Düsseldorf, die nach Anschluss des Rheinlandes an Preußen im Gefolge des Wiener Kongresses von der Berliner Zentrale zu einem Kunstzentrum ausgebaut worden ist, beherbergt eine Schule, die neben vielen anderen so bedeutende Künstler wie die Brüder Andreas und Oswald Achenbach hervorgebracht hat. Hier will Bernhard Studer nun einen Neuanfang versuchen. Im Jahre 1853 richtet er deshalb ein Gesuch um Unterstützung an die Regierung des Kantons Solothurn. Er bittet um ein unverzinsliches Studiendarlehen von 1000 Franken, um „Vaterland und Familie durch ausgezeichnete Leistungen Ehre machen zu können“. Für die von der Regierung bewilligten 1400 Franken, rückzahlbar nach sechs Jahren, leistet Notar Kulli aus Olten Bürgschaft.

Ausbildung an der Kunstakademie Düsseldorf

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Adreas Achenbach, Die Akademie in Düsseldorf (1831)

Im Jahre 1853, mithin im Alter von 21 Jahren, zieht Studer nach Düsseldorf, um sich an der dortigen Kunstakademie ausbilden zu lassen.14  Zu Studers Lehrern in Düsseldorf gehören der bedeutende deutsche Landschaftsmaler Johann Wilhelm Schirmer (1807–1863), der Maler und Architekt Rudolph Wiegmann (1804–1865) und zuletzt auch der norwegische Maler Hans Frederik Gude (1825–1903).

Studer nimmt sogleich regen Anteil am Künstlerleben in der Stadt. Er ist häufiger Gast im Künstlerverein Malkasten, ein Zusammenschluss junger Maler aus dem Revolutionsjahr 1848, der einen Gegenpol zu der vom spätromantischen Geist bestimmten Akademie bilden soll. Unter den Mitgliedern und Gästen dieser Zeit sind auch Schweizer Künstler, so z.B. Benjamin Vautier. Sie setzen sich für eine ausserakademische und realistische Kunst ein und fordern eine angemessene Vertretung bei der Beschickung von Ausstellungen, nicht zuletzt um die schlechte wirtschaftliche Lage des künstlerischen Nachwuchses zu verbessern. Im Gegensatz zu Berlin und München streben die Künstler und Studenten hier „eine freie und unabhängige Entwicklung der Kunst innerhalb des städtischen Lebens und ein uneingeschränkt gemeinsames Wirken der Künstler“ an. 15

Im Künstlerverein Malkasten  in Düsseldorf versammeln sich alle Richtungen der Künstlerschaft in offenem freien Dialog und Austausch. Man möchte sich gegenseitig fördern und unterstützen. Schnell gewinnt der Künstlerverein als „Cristallisationspunkt aller geistigen Bestrebungen“ eine zentrale Bedeutung im Düsseldorfer Gesellschaftsleben. Es werden für die regelmässig stattfindenden Treffen und Veranstaltungen Restaurationsbetriebe angemietet. Wichtige Bestandteile des Vereinslebens bilden allerdings auch die geselligen Zusammenkünfte und Feste, wie die Karnevalsredoute, bei denen Literatur, Theater, Musik und Kunst zu einer Einheit werden.16  Und bei diesen Anlässen ist auch Bernhard Studer vertreten, wie eine Karikatur aus dem Jahre 1855 zeigt. Immer öfter verstrickt er sich jetzt allerdings in Schulden und bezahlt seine Rechnungen bei Wirtsleuten, Gewerbetreibenden und Gasthäusern gleich mit Bildern und Zeichnungen, anstatt mit Geld. So wie ihm geht es allerdings auch einigen anderen Studenten in Düsseldorf.

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Johann Wilhelm Schirmer

Von 1853 bis 1854 ist Studer als Schüler in der Malklasse von Johann Wilhelm Schirmer eingeschrieben. Zu seinen Mitschülern zählen unter anderen Ludwig Hugo Becker, Arnold Overbeck, Alexis Puhlmann, Heinrich Vosberg, Carl Rötteken und Valentin Ruths. Ab 1855 studiert Studer in der Klasse von Hans Gude. Hier trifft er neben Carl Irmer und Felix Kreutzer auf die skandinavischen Maler Sophus Jacobsen, Niels Björnsen Möller, Lars Hertevig, Christian Wexelsen und Gustav Werner Holmberg.17

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Hans Gude

Mit seinem norwegischen Lehrer Hans Gude kommt es allerdings häufiger zu Konflikten und Studer muss teils heftige Kritik einstecken. Hinzu kommt, dass er sich nun mehr und mehr aus dem Akademiebetrieb zurückzieht und andere Vorlieben für sich entdeckt. Aus den Schülerlisten dieser Zeit gibt es einige aufschlussreiche Einträge über Bernhard Studer. Im Schuljahr 1853 bewertet Rudolph Wiegmann im Unterricht der Architektur Studers Begabung mit „gut“, Fleiss allerdings bereits mit „wenig“ und Betragen noch mit „untadelhaft“. Von November 1854 bis September 1855 bewertet Gude seine Begabung mit „gut“, aber Fleiss und Betragen lediglich mit „befriedigend“. 18

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Schloss Neu-Bechburg. Im Besitz des Kantons Solothurn hängt als Leihgabe im Schloss

In seiner Heimat vermittelt Bernhard Studer dagegen ein ganz anderes Bild von sich. Selbstbewusst reist er im Jahre 1855 wieder zu einer Ausstellung in die Schweiz und verkauft ein Bild. Und dem Kanton Solothurn übermacht er ein Gemälde, das ganz sicher zu seinen besten Werken zu rechnen ist. Das Solothurner Blatt berichtet am 27. Juni desselben Jahres voll des Lobes: „Hr. B. Studer von Gunzgen, seit 1853 Landschaftsmaler in Düsseldorf, hat jüngst dem Staate ein in Goldrahmen eingefasstes Oelgemälde, Schloss Bechburg darstellend, als Zeichen seiner Fortschritte und Erkenntlichkeit übermacht. Der hiesige Kunstverein findet an dem Gemälde großartige Auffassung, Naturwahrheit und vortreffliche Technik, welche zu den schönsten Hoffnungen berechtigen. Der Regierungsrath hat unterem 25. auf einen Antrag des Erziehungsdepartements dem begabten Künstler eine Gratifikation von 800 Franken zuerkannt“. 19

Mit diesem Geld lässt sich vorerst trefflich leben und Studer macht regen Gebrauch davon. Immer öfter fehlt er jetzt im Unterricht. Sein Schaffen lässt nach und die Qualität seiner Bilder gibt häufig Anlass zu Kritik. Darunter leidet letztlich auch sein Ansehen bei den Lehrern in Düsseldorf.  Die Aussagen zu seinen Arbeiten und Bemühungen sind dementsprechend negativ. Im Schuljahr darauf lautet die Bewertung für Fleiss „nicht besonders“ und in der Sparte Betragen erhält Studer gar ein „unordentlich“. Der Schlusskommentar seines Lehrers Gude im Schuljahr 1855–56 lautet schliesslich knapp aber deutlich:  „Im 1. Quartal 1856 ausgewiesen wegen unordentlichen Lebens“! 20

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Auszug aus Katalog Schweiz. Kunstausstellung in Winterthur 1856 (Quelle: Kunstverein Winterthur)

Bernhard Studer muss die Kunstakademie in Düsseldorf verlassen. Wieder ist es für ihn ein schwerer Schlag, denn mit dem Rauswurf verliert er auch sein künstlerisches Umfeld, seine Freunde und nicht zuletzt seine Anerkennung als Maler. Ausserdem steht er in der Schuld seiner Schweizer Gönner, die auf sein Talent und eine gute akademische Ausbildung gesetzt haben. An ein Aufgeben ist vorerst gar nicht zu denken. Doch welche Möglichkeiten bleiben ihm? Jedenfalls nimmt Studer auch im März 1856 wieder an einer Ausstellung in der Schweiz teil.

In Winterthur stellt er das Gemälde „Landschaft bei Düsseldorf“ aus. Preis 345 Fr.Gemäss Eintrag im Katalog studiert er immer noch an der Akademie Düsseldorf.

Ausbildung an der Kunstschule in Karlsruhe

Studer entscheidet sich nolens volens, seine Sachen in Düsseldorf zu packen und wechselt noch im selben Jahr an die 1854 neu gegründete Karlsruher Kunstschule, an die sein früherer Lehrer Schirmer zum Direktor berufen ist. Das Einleben fällt ihm nicht schwer, trifft er doch ehemalige Düsseldorfer Kunstschüler wieder, die mit Schirmer nach Karlsruhe gezogen sind. Und Schirmer, ein von allen Schülern hoch geschätzter, warmherziger Lehrer, nimmt auch Studer wieder auf. Dieser erhält schliesslich auch ein kleines Stipendium und kann mit dem Verkauf einiger Bilder in der Schweiz vorerst seinen Aufenthalt in Karlsruhe finanzieren. Doch leicht hat es Studer nicht. Immer wieder plagen den Kunstschüler finanzielle Sorgen. Hinzu kommen manchmal Heimweh nach dem geliebten Gäu und die Angst zu versagen, nicht anerkannt zu werden und keine Bilder zu verkaufen. Uns so wie ihm geht es vielen jungen Schülern in Karlsruhe.

Sein Mitschüler Hans Thoma vermittelt in den Briefen an seine Mutter und seine Schwester  ein recht anschauliches Bild vom Leben der jungen Künstler in Karlsruhe zu dieser Zeit: „ … Bis heute Montag habe ich im Wirtshaus geschlafen und gegessen, denn alle Wohnungen sind ungemein teuer. Ein Zimmer, das schön eingerichtet ist, kostet monatlich 7,8 bis 10 fl. (Gulden). So viel kann ein armer Kunstschüler nicht bezahlen. Ich suchte also nach einem wohlfeilen; endlich fand ich das, welches ich jetzt bewohne. Es kostet alle Monate einen Kronentaler 2fl. 42 Kr. Köstlich ist es nicht, ein einziges kleines Fensterlein; groß ist es auch nicht, ein Bett, ein Tisch, zwei Stühle, ein Kasten, mein Koffer und ein kleines, eisernes Öfele füllen es ziemlich aus; doch ich habe Platz genug …  Kosthaus fand er mir, wo ich für 12 Kreuzer täglich ein Mittagessen bekomme, Supp‘, Fleisch und Gemüse. Frühstück und Abendessen nehme ich bald da, bald dort…. Im Frühling habe ich keine Ferien; aber im Sommer haben die Landschaftsmaler, was ich ja auch werden will, drei Monate Ferien, nämlich vom 1. Juli bis 1. Oktober. Die Porträt- und Historienmaler dagegen haben nur zwei Monate Ferien. Die Kunstschule ist ein schönes Gebäude und liegt in der Stephanienstraße … Ich sehe mich genötigt, Euch noch einmal zu schreiben, ehe ich heimkomme, ich brauche nämlich – kurz gesagt – Geld. Beim Eintritt in die Kunstschule mußte ich 10 fl. bezahlen. Dann brauchte ich für Gerätschaften, Staffelei, Rahmen, Reißbretter, Kreide, Papier usw. beinahe 8 fl. Das andere brauchte ich zur Kost … Ich muß sehr sparen, denn es ist ungemein teuer hier; doch ich glaube, daß mein Geld, die 200 fl. ein Jahr ausreichen….“  21

KunstakademieAKSchon bald erliegt Bernhard Studer seinen alten Lastern aufs Neue. Er treibt sich in den Wirtshäusern der Stadt herum oder geht lieber auf Besuch zu seinen Freunden anstatt zu malen. Der Akademiebetrieb macht es ihm allerdings auch nicht allzu schwer. Hans Thoma beschreibt in seinen Briefen die Verhältnisse an der Kunstakademie so: „ …  In die Kunstschule kann man kommen, wann man will; ich gehe gewöhnlich morgens acht Uhr hin; dann mittags von zwei bis einhalb fünf Uhr. Der Professor kommt täglich einmal und verbessert das Gezeichnete. Es sind noch vier andere in dem Zimmer, wo ich arbeite, und es geht oft lustig her darin; da wird gesungen, getanzt und geraucht; doch ich bin brav. Arme Kerle sind auch einige darunter; ich bin nicht der Einzige, dazu noch solche, die sehr wenig Talent haben. Dann sind aber auch sehr reiche da; so arbeitet neben mir ein Adeliger. Von abends fünf bis sieben Uhr wird bei Gasbeleuchtung gezeichnet; da sitzt dann jedesmal ein Soldat, der von allen gezeichnet wird… „

Und wie Studer so wird auch Thoma von Heimweh geplagt, wenn er schreibt: „Nun bin ich wieder entfernt von Euch, Ihr Lieben, und sehne mich oft zu Euch in Euer Stübchen. … In den ersten Tagen mußte ich immer nach Haus denken; ich hatte oft Heimweh und Kummer um Euch … Ich möchte alles wissen, was in der Heimat vorgeht. Ich möchte wissen, ob es Schnee hat, und was die Geißen machen. Vielleicht komme ich an Ostern heim. Es gehen fast alle Kunstschüler fort …“  22

Bernhard Studer leidet wie die anderen Kunstschüler, die aus ärmeren Verhältnissen kommen, unter der ständigen Sorge, das nötige Geld für den Aufenthalt an der Akademie zu bekommen. Sobald sein Darlehen aufgebraucht ist, muss er sich um andere finanzielle Mittel bemühen. Für Schüler, die bereits grössere Bilder gemalt haben und sich Künstler nennen dürfen, gibt es Stipendien. Doch für Studer ist diese Geldquelle nicht so leicht zu erschliessen. Er hat bis jetzt noch sehr wenige grössere Bilder gemalt und ausserdem einen etwas zweifelhaften Ruf. Besondere Gönner oder Mäzene hat er nicht. Trotzdem hält Schirmer zu ihm, ermuntert ihn und wirft ihn nicht raus, wenn er mal wieder nicht arbeitet oder mit seinem Schicksal hadert.

Auch sein Mitschüler Hans Thoma kommt aus ärmeren Verhältnissen. Er beschreibt die schwierige finanzielle Situation, aber auch den Weg, aus dieser Klemme heraus zu kommen: „… Mit dem Malen geht es mir recht gut; ich bin in der Landschafterklasse, wo ich von Schirmers Landschaften abmale … Auch war gerade der Professor Descourdres da, der mir sagte, daß ich die höchste Zeit habe, weil morgen nachmittag sich die Kommission, die über das Stipendium zu urteilen hat, versammeln werde. … Am Mittwoch mußte ich noch sauere Gänge machen. Ich mußte zu einem Ministerialrat Schmitt und dann zu Lessing. Ich hatte wenig Hoffnung auf Unterstützung, da es bei diesem Herrn Ministerialrat hieß, die Stipendien seien nur für solche bestimmt, die schon größere Bilder gemalt haben und bereits Künstler seien. Aber es ist alles anders gekommen … Donnerstagsmorgens brachte mir der Professor die Nachricht, daß für mich 300 fl. von der Kommission genehmigt worden seien, und daß dies nur noch vom Ministerium bewilligt werden müsse!… Gearbeitet habe ich noch nicht viel; ich werde aber jetzt tüchtig arbeiten, und zwar werde ich, da ich jetzt doch Unterstützung erhalte, zuerst Köpfe malen, wie mir auch Direktor Schirmer rät. Schirmer ist sehr freundlich gegen mich. Meine Studien gefielen ihm und allen Kunstschülern gut…. Unter der Zeit kam ein Bericht vom Direktor, daß ich, um Stipendium zu erhalten, ein Zeugnis, daß ich arm sei, vom Bürgermeister der Heimatgemeinde so bald als einreichen müsse ….23

Fleiss ist nicht gerade die Stärke von Bernhard Studer. Er hält sich lieber in den Gasthäusern der Stadt oder in den Betten verschiedener Mädchen und Frauen der Stadt auf. In den kurzen Phasen seiner künstlerischen Aktivität malt er meistens an Bildern mit Motiven seiner Schweizer Heimat und kann gelegentlich sogar ein Bild verkaufen, doch er ist immer verschuldet. Andere Schüler hingegen, wie Thoma, arbeiten ununterbrochen und halten sich von den Verlockungen des Studentenlebens fern. Thoma schreibt in seinen Briefen: „… Ich arbeite immer fleißig und komme vorwärts. Es macht mir nicht so viel Kummer, daß ich jetzt wenig Geld habe; denn ich werde schon unterstützt werden, und ich kann sagen, daß ich es würdig bin, würdiger als mancher andere, der um Unterstützung bettelt. So ist z.B. einer hier, der wird unterstützt, lebt aber sehr flott und tut nichts und kann nichts. Ich meinesteils würde mich schämen, so die Leute zu betrügen …“ 24

Recht flott lebt angeblich auch Bernhard Studer in Karlsruhe. Sein Lebenswandel wird nicht von allen geschätzt. Umso erstaunlicher ist, dass er hin und wieder Erfolg bei Ausstellungen hat. Mehrmals beschickt Studer in diesen Jahren die Turnusausstellungen des Schweizerischen Kunstvereins, so auch in Bern im Jahre 1857. Wieder berichtet das Solothurner Blatt: „Unser junger Mitbürger Bernhard Studer von Gunzgen, in Düsseldorf, hat für sein an die schweizerische Kunstausstellung eingesandtes schönes Gemälde „Eine Gegend im Jura“ die silberne Medaille erhalten“. 25

Motiviert kehrt Studer nach Karlsruhe zurück. Sein Thema bleibt die Umgebung seines Heimatortes, das „Gäu“. Er begnügt sich nicht mit einer detailgetreuen Malerei, besonders Bäume und Wälder werden genau studiert und in naturalistischer Malweise dargestellt, sondern er versucht auch eine Idylle herzustellen. Dabei schenkt er den Wolken und Wetterstimmungen besondere Aufmerksamkeit. Bei Schirmer hat Studer gelernt, der präzisen Beobachtung der Natur besondere Beachtung zu schenken. Schirmer ermuntert seine Studenten immer wieder, das Atelier zu verlassen und Studien vor Ort zu machen. Für diese Naturstudien empfiehlt Schirmer seinen Studenten bereits, Ölskizzen anzufertigen. Auf diese Weise sollen sich seine Schützlinge mit der Arbeit in der Natur vertraut machen und die Eindrücke in der Natur auch gleich auf Leinwand bannen. Hier sollen sie ihre Motive suchen, die später im Atelier in einer ausgewogenen Komposition zu verbinden sind. Schirmer  legt seinen Schülern ausserdem immer wieder Blätter als „idealtypische Vorbilder“ vor und vermittelt ihnen seinen Grundsatz, „dass man alles in Gottes schöner Natur darstellen dürfe, wenn man es nur recht treu und genau ausführe …“ 26 

Studers Mitschüler und Freund Eugen Bracht beschreibt die Räumlichkeiten und die Arbeit an der Akademie in diesen Jahren folgendermassen: „… war auch bald im Landschaftsatelier angelangt, wo ich endlich zum eigentlichen Fache kam, das mit dem Copieren von Studien begann. Ein besonderer Raum neben Schirmers Atelier war als Studienzimmer eingerichtet, in dem die Studien des Meisters dort die Wände vom Fußboden bis zur Decke bedeckten. Es war uns überlassen, dort die Studien auszuwählen, deren Nachbildung uns reizte … man wurde mit den Ausdrucksmitteln vertraut und lernte die Behandlung des Materials; dazwischen wurden Wolken und Stimmungseindrücke studiert und festgehalten und es war eine schöne Zeit im Verkehr mit erfahrenen Kollegen…“ 27

Zu Studers Zeit halten sich neben Hans Thoma und anderen auch Ferdinand Keller, Anton von Werner, Heinrich Vosberg, Rudolf Epp, Karl Eckermann, Theodor Kotsch, Karl Weysser, Alexis Puhlmann, Fritz Ebel  und Ludwig Fahrbach in Karlsruhe auf.28  Die Maler Emil Lugo, Gustav Osterroth, Eugen Bracht, Philip Röth und die Schweizer Friedrich Stirnimann, Adolf Stäbli und Niklaus Pfyffer gehören dabei zum engeren Freundeskreis. Die Schüler der Akademie stehen zwar in Konkurrenz zueinander, man trifft sich aber immer wieder zu geselligen Zusammenkünften und hilft sich auch gegenseitig bei der Arbeit. Darüber hinaus unterstützt man sich gegenseitig in materiellen Dingen und verleiht sogar kleinere Geldbeträge. Immer ist man auf der Suche nach den billigsten Gasthäusern, die ein sättigendes Abendbrot zu erschwinglichen Preisen anbieten. Eugen Bracht schildert die Suche so: „Wir waren oft in einem Bierhaus „Zum weißen Berg“, … wo wir das billigste Abendbrot für 8 Kreuzer = 22 ¼ Pfennige, ein großes Eisbein mit Brod u einem Glase Bier genossen … Auch wurde man allmählig mit den älteren Kunstschülern bekannt und schloss sich im Sommer den Abendessen in Mühlburg und anderen bescheidenen Dorfschenken an.“  29

Mit den anderen Schülern der Kunstschule besucht Studer auch die kulturellen Veranstaltungen in Karlsruhe, immer auch auf der Suche nach Gönnern und potenziellen Käufern aus der gehobenen Bürgerschicht. Wieder berichtet Thoma: „An den Montagabenden spricht im Theater ein Professor über Kunst, Malerei und dergleichen, was sehr nützlich und notwendig ist zu hören. Da sind denn auch sehr viele Zuhörer, hie und da auch der Großherzog, Minister, Staatsräte, Generäle, Offiziere, Maler, worunter auch ich. Und die stecken alle in feinen Kleidern, und meine Kleider passen beinahe nicht in diese Gesellschaft. Erst das letztemal kam ich neben einem Minister zu sitzen – aber sie müssen mich eben nehmen, wie ich bin. Die, welche zuhören wollen und nicht Maler sind, müssen sehr viel bezahlen. Vor einiger Zeit haben alle Künstler von Karlsruhe, etwa 40, miteinander ein Nachtessen gehabt in einem Gasthaus; wir waren auf bis 2 Uhr nachts und sehr lustig, –  hatten ein prächtiges Essen. Es kostete mich aber mit dem Wein, den ich getrunken, 50 Kr. Man kann halt bei einem solchen Fest nicht gut wegbleiben …“ 30  In seinen Erinnerungen denkt Thoma später gern an diese Zeit zurück: “ … Da ich jetzt Geld hatte, konnte ich mir in diesem Winter das erstemal den Luxus eines geheizten Zimmers erlauben. Und ich verkehrte viel mit einer lustigen Schweizergesellschaft, die sich an der Kunstschule zusammengefunden hatte. Der gleiche Dialekt bewährte seine Bindekraft; so denke ich jetzt an Zemp, Pfyffer, Stirnimann, Bucher, Kaiser, die Köpfe malten, an Studer, Balmer, Stäbli, es waren fröhliche Schweizer.“ 31

Gemeinsam mit seinen Mitstudenten reist Studer immer wieder in die nähere Umgebung Karlsruhes, in den Schwarzwald und in die Schweiz. Es sind die folgenden Jahre, in denen Studer seine produktivste Zeit erlebt. Beachtung findet er im Jahre 1860 mit einer „Landschaft am Bielersee“, die auch der Rheinische Kunstverein in Karlsruhe ausstellt, und 1861 stellt er drei Gemälde aus: „Dorfansicht“, „Schloss Klus im Jura“ und „Abendliche Dorfpartie im Jura“. Nach einiger Zeit jedoch erlahmt seine Schaffenskraft aufs Neue. Ihm reicht es offenbar, wenn in seiner Heimat ab und zu ein Bild verkauft wird und er zehrt immer noch von der silbernen Medaille, die er auf der grossen Kunstausstellung in Bern erhalten hat. Nach wie vor ist er verschuldet und vertreibt sich die Zeit in den Gasthäusern der Stadt. An der Kunstschule lässt er sich jetzt nur noch unregelmässig blicken.

Die fröhliche Stimmung der ersten Jahre in Karlsruhe hat sich allerdings auch stark verändert. Neue Studenten sind in die Landschafterklasse gekommen. Der Konkurrenzdruck ist wesentlich grösser geworden. Neid und Missgunst tragen dazu bei, dass sich viele Schüler im Akademiebetrieb unwohl fühlen. Am 30. November 1862 schreibt Hans Thoma dazu: „… In letzter Zeit ist sehr viel Streit gewesen auf der Kunstschule. Der Amerikaner Maler hatte mit allen Streit. Er kann kein Wort leiden und macht jedem beim geringsten Anlaß die ärgsten Grobheiten. Besonders mit dem Schweizer Pfyffer hatte er viel Streit. Er wollte  ihn einmal sogar auf Pistolen und Säbel laden, wozu Pfyffer aber keine Lust hatte. Einmal wollte er dem Pf. einen schweren Spiegel auf den Kopf schlagen, weil Pf. gelacht hatte. Ein anderer Schweizer hielt ihn zurück, und er zerschlug den Spiegel zu tausend Stücken auf einer Bank. Er wurde dann beim Direktor verklagt, worauf ihm eine Mahnung erteilt wurde …“  32

Auch Schirmer ist der Stimmungswandel an der Akademie nicht entgangen. Ihm ist die schonungslose, teils verachtende Kritik der Schüler untereinander ein Dorn im Auge: „… Der augenfällige Unterschied im Wesen der Künstlerjugend von heute und damals kann unmöglich in der freieren Pädagogik unserer Zeit seinen Grund haben. Oft genug ist mir in jetziger Zeit das geringe Interesse der jungen Leute beim Betrachten besserer Leistungen, als sie selbst die Fähigkeiten dazu hatten, aufgefallen; hört man aber erst die Bemerkungen vieler über andere Leistungen, so sind dieselben gewöhnlich sofort negativ und selten anerkennend oder auch nur gerecht würdigend. Gleich ist man zu einem Tadel fertig, und wenn es sich auch nur auf die unbedeutendste Kleinigkeit beziehen sollte; die Hauptsache bleibt unberührt. Umgekehrt war es, wie eben bemerkt, bei uns damals der Fall. Innerhalb der durch die bestehenden Verhältnisse geschaffenen Vorurteile imponierte uns vor allem erst dasjenige, was uns selbst fehlte… Man entschuldigte eher und, begeistert vom Eindruck des Ganzen, gab man sich dem begeisterten Gefühl hin, auch so etwas schaffen zu wollen …“ 33

Studer beschickt auch in diesen Jahren die regelmässig stattfindenden Turnusausstellungen des Schweizerischen Kunstvereins. Hier muss er sich mit anderen jüngeren Schweizer Malern messen lassen und die Konkurrenz ist inzwischen sehr gross. Auch Anker, Frölicher, Stäbli u.a. sind immer vertreten. 1864 stellt er eine „Landschaft im Charakter des Jura“ und eine „Dorfpartie aus Näfels“ aus. Immerhin gelingt es ihm wieder, ein Bild zu verkaufen, aber er hadert mit sich selbst. Doch seinen Lebenswandel kann Studer nicht ändern. Er geniesst ganz offensichtlich das Leben eines frühen Bohèmien mit vollen Zügen. Die Bedenken und Warnungen seiner Mitschüler und Freunde schlägt er in den Wind. In seinem Schaffen ist er jedoch zwiegespalten. Auf der einen Seite möchte er sich vom kommerziellen Erfolg freimachen und nur das malen, was ihm wichtig erscheint, andererseits ist er doch so sehr darauf angewiesen, anerkannt zu werden und seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Und er muss bitter zur Kenntnis nehmen, dass andere Künstler seines Alters mehr Erfolg haben. Studers Freund und Malerkollege Eugen Bracht äussert sich in seinen Erinnerungen zum Lebenswandel von Bernhard Studer: „Bernhard Studer aus Solothurn war wohl nicht ohne Geschick, malte die Juraberge mit Häuschen und Fernen, meist verschuldet und von ungemessenem Geschlechtstrieb; der Typus des Malers, der dem Stande gerade keine Ehre macht bei den Philistern.“ 34

Der Studienbetrieb in Karlsruhe und der Austausch mit den anderen gibt Bernhard Studer allerdings immer noch die Sicherheit, die er braucht, um nicht vollends auf die schiefe Bahn zu geraten. Die meisten seiner Freunde und Mitschüler unterliegen offensichtlich nicht dem Zwang, ständig gegen die „guten“ Sitten zu verstossen. Wieder kann Hans Thoma als Zeitzeuge berichten: „… Vor Verführung werde ich mich hüten. Man ist hier auf jeden Fall manchem ausgesetzt … Ich habe schon sehr betrübende Erfahrungen gemacht, die mich abschrecken. Ich kenne Maler, sie waren talentvoll, brav und fleißig. Da kamen schlimme Verhältnisse, sie mußten sich mühsam durchhelfen; sie wurden wankelmütig, suchten allerlei Zerstreuung, suchten mit Leichtsinn sich über alles Niedrige hinwegzusetzen – jetzt sind sie unglückliche Menschen. Ach, der Mensch ist so schwach, wenn Verlockungen von allen Seiten auf ihn einstürmen – wenn er fällt, man kann ihn nicht verdammen. Aber er soll sich wieder erholen. Der Fall soll ihn größer und stärker im Kampfe gemacht haben…“ 35   Auch Eugen Bracht, der später Professor an der Kunstakademie Dresden wird, erinnert sich an diese Zeit, in der es oft turbulent zugeht: „Die Malklasse mit ihrem Bedarf an Modellen litt schwer unter kleinlichen und, wie behauptet wurde, auch ungerechtfertigten Drangsalierungen der rigorosen Sittenpolizei; es kam vor, dass weibliche Modelle von Beamten gewaltsam weggeholt wurden und die begonnenen Studien aufgegeben werden mussten. Die Behörde wollte ermittelt haben, dass bei einer unter den Schülern des Polytechnikums ausgebrochenen geschlechtlichen Seuche das Übel von der Kunstschule aus eingeschleppt worden sei!“ 36

Ist es der plötzliche Tod seines Lehrers und väterlichen Freundes Johann Wilhelm Schirmer im Jahre 1863, der Studer und nicht nur ihn für eine Zeit lähmt und verzweifeln lässt? Oder ist es der angekündigte Wechsel in der Lehrerschaft, die seinem alten Lehrer Hans Gude in Karlsruhe eine Professur verschaffen wird? Damit würde für Studer wohl eine schöne Zeit in Karlsruhe ihrem Ende entgegen gehen. Noch hält er aus und beteiligt sich an Ausstellungen, aber mit sehr bescheidenem Erfolg. Es sind immer wieder besonders die bereits etablierten Künstler, die mit ihren Bildern verdienen. Hans Thoma beschreibt die Lage der jungen Künstler am eigenen Beispiel: „ … Die Ausstellung ist vorbei, und ich habe kein Bild verkauft … Ich bin nicht der einzige Maler, der nichts verkauft hat. Noch viele haben ihre Hoffnung auf die rheinische Ausstellung gesetzt, und jetzt hat keiner der jüngeren Maler, so gut auch manche Bilder waren, etwas verkauft. Schlechte Bilder sind gekauft worden und von reichen Malern … Ich glaube nicht, daß ich wieder nach Karlsruhe gehe. Wenn ich ein Bild verkaufe von denen, die ich fertig habe, daß ich 200 fl. zusammenbringe, dann gehe ich nach München; dort darf ich eher hoffen, Bilder zu verkaufen …alle meine Freunde leihen mir, so viel sie haben. Ich würde auch ihnen leihen, wenn ich nur könnte … Wenn ich andere Maler hier erzählen höre, so brauche ich nicht zu klagen. Manchen ist es schon schlimmer gegangen, wie mir …“ 37 Im Jahre 1864 gibt es wieder eine Gruppenausstellung im Kunstverein Baden-Baden. Und viele erhoffen sich hier den Durchbruch. Auch Bernhard Studer stellt aus. Er schickt ein Gemälde mit dem Titel  „Mondschein am Walensee“ in die Ausstellung. Die Resonanz ist nicht gerade überwältigend. Beachtung finden wieder vor allem die älteren etablierten Maler. Auch Hans Thoma und andere Karlsruher Künstler sind in Baden-Baden dabei. Er schreibt: „… Das Bild, was ich jetzt nach Baden-Baden schicke auf die Ausstellung, ist das beste, was ich je gemalt habe …, daß einer der älteren hiesigen Maler und einer der tüchtigsten mir gesagt hat: „Wenn das Bild nicht gekauft wird, so können wir Maler aufhören zu malen.“ … 38  Doch der erwartete Erfolg stellt sich nicht ein. Viele Bilder müssen unverkauft zurückgenommen werden. Auf einer Ausstellung in Freiburg im selben Jahr können nur sehr wenige Karlsruher Maler ihre Bilder verkaufen. Und diese können nicht die Preise erzielen, die sie sich erhofft hatten. Die unbeachteten Karlsruher Maler müssen ihren Lebensunterhalt wieder anderweitig verdienen. Sie geben Zeichenunterricht bei reichen Leuten oder leben auch weiterhin auf „Pump“.

Im Herbst 1864 kommt Hans Gude als Professor nach Karlsruhe. Da sitzt Studer bereits auf gepackten Koffern. Für ihn ist die Karlsruher Zeit damit endgültig vorbei, denn mit Gude hat er schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht. Mit Professor Hans Gude haben auch andere so ihre Schwierigkeiten. Der Wiener Maler Hans Canon, der in Karlsruhe zwischenzeitlich sein Atelier hat und einige Schüler um sich schart, hält von Gude und seiner Art des Unterrichtens gar nichts und sucht die Konfrontation mit dem akademischen Lehrbetrieb. An einen Schüler schreibt er: „So ist zum Beispiel Gude außer Zweifel ein geschickter Maler, aber nach meiner Meinung von sehr beschränktem Gesichtskreis, mit einer gewissen Schablonen-Fantasie, ohne Sinn für Größe und Erhabenheit. Vor Allem aber wird er auch nie Lehrer sein, weil nur ein scharf denkender objectiver Kopf sich dazu eignet, er aber ein mittelmäßig begabter subjectiver Mensch ist.“ 39  Und auch Hans Thoma  ist oft anderer Meinung als sein neuer Lehrer Gude: „Es entwickelte sich nun ein Gespräch über Kunst und Publikum, wo wir recht verschiedener Ansicht waren. Ich musste mein Recht verfechten, so zu malen, wie ich es für gut finde, wie ich es meiner Fähigkeit nach kann. Er (Gude) vertrat den Standpunkt, dass der Künstler sich nach dem Publikum richten müsse, da er doch für dieses zu schaffen berufen sei…“ 40

Bis einschliesslich 1864 ist Bernhard Studer noch als Schüler der Akademie verzeichnet.41  Von einer Reise in die Schweiz im Jahre 1865 kommt er allerdings gar nicht erst nach Karlsruhe zurück. Als Eugen Bracht sich 1866 bei Thoma nach seinen alten Freunden erkundigt, schreibt dieser in einem Brief vom 20. Oktober zurück: „Von deinen alten Bekannten ist außer Schick und Vollweider, glaube ich, nur noch Osterroth da. Studer ist verduftet“. 42 Tatsächlich hat sich die Lage an der Akademie in Karlsruhe seit Gudes Eintreffen deutlich verschärft. Thoma beschreibt die Situation: „Es ist kaum sehr erfreulich hergegangen seit Schirmers Tod. Streit und Hader an allen Ecken und Enden. Unversöhnlich stehen sich zwei Parteien gegenüber: Ein sehr talentvoller Künstler aus Wien, Canon, eine unruhige Natur, und Schick auf der einen Seite, Lessing = Gude = Schrödter usw. auf der anderen: Idealismus und Realismus, mit Neid vermischt streiten sich …“ 43 Als Thoma diese Zeilen an Eugen Bracht schreibt, lebt Bernhard Studer bereits im „leuchtenden“ München.

Letzte Jahre in München

Bernhard Studer hat im Jahre 1865 die Stadt Karlsruhe als Wohn- und Arbeitsort aufgegeben und begibt sich nun wie einige andere Künstler, darunter auch Adolf Stäbli, Ferdinand Keller, Emil Lugo und Philipp Röth, in das gelobte München, wo seine Laufbahn als Maler begann. Gemäss Melderegister trifft er am 12.12.1865 in München ein. Als Zweck des Aufenthalts in München nennt Studer „Ausbildung“. 44  Doch ein akademisches Studium nimmt er nachweislich nicht mehr auf. Dagegen versucht er, Anschluss an die Künstlerschaft der Stadt zu gewinnen.  Bei Johann Gottfried Steffan treffen sich die Schweizer nach wie vor und tauschen sich aus. Hier sind Böcklin, Koller, Schiess, Frölicher und andere ständig zu Gast. Bernhard Studer gehört nicht zu diesem erlauchten Kreis. Er sucht eher die Nähe zu seinen alten Mitstreitern aus Düsseldorfer und Karlsruher Zeiten und nimmt wieder Kontakt auf zu Carl Millner, der inzwischen grosse Beachtung gefunden hat und wirtschaftlich auf sicheren Beinen steht. Ob ihm hier in München ein erfolgreicher Neubeginn gelingt, ist ungewiss. Immerhin sind die Verkaufsmöglichkeiten auf dem Münchner Markt recht gut, doch es besteht die Gefahr, in der Masse der Maler unterzugehen. Es gibt auch nur wenige bildnerische Zeugnisse von Studer aus diesen letzten Jahren. Schliesslich sind die Verlockungen in dieser grossen Stadt auch immens. Bekannt ist lediglich, dass er noch 1867 die Kunstausstellung in Baden-Baden mit einem „Motiv aus dem Jura“ beschickt. 45

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Ausschnitt aus dem Melderegister der Stadt München, 1865-1868

Studer wird im Münchner Melderegister geführt als „Maler aus Gunzgen, Canton Solothurn, 32 Jahre, kath., led.“. Er zieht zuerst in die Ludwigsvorstadt, genauer in die Schwanthalerstrasse 28, wo er bis zum 30.4.1866 ein Zimmer bewohnt. Sein „Quartiergeber“ ist in dieser Strasse zunächst ein gewisser „Gollmer“. In unmittelbarer Nähe wohnen viele Künstler, unter anderem Johann Gottfried Steffan, der in der Schillerstrasse mit Frau und neun Kindern allerdings ein recht bürgerliches Leben führt, das mit dem Leben von Bernhard Studer nicht zu vergleichen ist. Anschliessend zieht Studer in die Schwanthalerstrasse 67.

Den Sommer über nutzt Studer wieder zum Reisen. Sehr wahrscheinlich schliesst er sich den anderen Künstlern an, die um diese Zeit die beliebten Ausflugsziele rund um München, den Chiemsee, den Starnbergersee und das Voralpenland um Berchtesgaden erwandern. Mit seinen Schweizer Freunden bereist er natürlich auch regelmässig die heimatliche Schweiz. 46

Beim städtischen bürgerlichen Publikum stehen in dieser Zeit Bilder der Alpenwelt hoch im Kurs. Diese Bilder kompensieren den Naturverlust in der Stadt, erinnern an die eigenen Reisen als Tourist und vermitteln eine unberührte Idylle, die im Gegensatz zum Tempo der Industrialisierung und Verstädterung steht. Künstler wie Millner und Steffan haben sich auf diesen Markt spezialisiert und leben gut davon. Studer muss sich notgedrungen auch „spezialisieren“. Er erinnert sich an ein Motiv aus früheren Jahren und malt wieder „Seelandschaften“ in den Bergen, kleinformatige Bilder mit immer demselben Bildaufbau und ähnlicher Staffage. Diese Bilder verkaufen sich einigermassen und er kann sich gerade so damit über Wasser halten.

Am 20. März 1867 bezieht er laut Melderegister Quartier in der Scheuergasse 14/0 und lebt dort bis zum 20. Juli 1867. Sein „Quartiergeber“ hier ist zunächst ein „Paul“ und schließlich ein „Herbs“ in der Nr. 8/a III. An letzter Adresse wohnt er bis zum 4. März 1868.47  Dann wird er plötzlich schwer krank und muss ins Krankenhaus gebracht werden. Leider wird Studer den Zusammenschluss der verschiedenen kleinen Künstlervereine, die auch für die notleidenden Künstler immer eine Stütze sein werden, zur „Genossenschaft der bildenden Künstler Münchens“ im Jahre 1868 nicht mehr. Diese Vereinigung soll einmal zur wichtigsten Institution im Kunstleben der Stadt werden. Man bereitet schon die erste internationale Kunstausstellung vor, die im Jahr darauf im Glaspalast durchführt werden soll.

Nur wenige Wochen später, am 24. April 1868, verstirbt Studer gemäss Mitteilung des Königlichen Stadtgerichtes München im städtischen Krankenhaus. Im selben Jahr stirbt auch sein Vater. Der Eintrag im Buch des Bestattungsamts München enthält folgende Daten zu seinem Ableben: „Maler v. Gunzgen Gäu: Solothurn in der Schweitz, 32 Jahre alt. Wohnung: Allg. Krankenh. Auf den Leichenacker begleitet von der: Pfarrey St. Peter. Seelnonne: Kaiser, Begräbnisplatz: Section 40, Reihe 4, Nummer 5. Beerdigt im: II. Saale.“ 48

Der Solothurner Landbote vom 11. Juni 1868 gibt den Lesern den Tod bekannt und umschreibt elegant die Charakterzüge des Künstlers: „36 Jahre alt starb in München der Landschaftsmaler Bernhard Studer von Gunzgen, ein Künstler, der vor einem Jahrzehnt durch sein entschiedenes Talent zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, leider aber nicht eine seiner glücklichen Anlagen entsprechende Willenskraft entwickelte, um die Klippen der Künstlerlaufbahn glücklich zu überwinden…. Er wusste besonders die landschaftlichen Eigenthümlichkeiten des Jura mit Sicherheit darzustellen.“ 49  

Das Inventar über den Nachlass Studers wird erst am 16. Juli 1870 erstellt. Es weist einen Aktivposten von 166,30 Franken auf und eine Schuld von 1910,30 Franken. Begreiflich, dass die drei Geschwister, von denen zu dieser Zeit keines mehr in Gunzgen wohnt, das Erbe ausschlagen. 50

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Verzeichnis der Verstorbenen des Bestattungsamts München, 1868

Seine Bilder

Studers frühe Werke wie die Darstellung von „Schloss Neu-Bechburg“ aus dem Jahre 1854 stehen ganz sicher noch unter dem Einfluss der romantisch geprägten heroischen Landschaftsmalerei. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verändern sich allerdings die Motive der Landschaftskunst auf breiter Front. Nicht mehr die ideale und heroische Landschaft, sondern kleine Landschaftsausschnitte bestimmen die Darstellungen vieler Künstler. Nicht die Stimmung des Künstlers wird auf die Landschaft übertragen, sondern die Atmosphäre der Landschaft soll vom Betrachter gefühlt werden.

Auch Studer löst sich nach und nach von den idealisierten Inhalten und geht über zu einer freieren, naturnahen Landschaftsauffassung, wie sie im Realismus vertreten wird. Er wählt unkomplizierte, kleinere Naturausschnitte und gibt sie in leicht romantischer Manier wieder. Er zeigt die intime Schönheit heimatlicher Landschaften, eine stille, reizvolle Beschaulichkeit der Natur, eine fühlbare Nähe und Vertrautheit. Bilder mit deutlich reduziertem Landschaftsausschnitt oder der Darstellung von Landschaftsdetails, wie sie andere Maler dieser Zeit schufen, sind von Bernhard Studer nicht bekannt. Und eine ausdrückliche Begegnung mit der französischen Form der „paysage intime“ oder Vertretern der französischen Schule von Barbizon lassen sich bei Studer nicht belegen, wenn auch seine Schweizer Kollegen Schiess, Stäbli und Frölicher gerade in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts sich für diese Malerei öffnen und diese in der Deutschschweiz einzuführen. 51

Gute Bilder von Studer stammen wohl vor allem aus der Zeit um und vor 1860. Hier gelingt es ihm, die Ruhe und Poesie der Natur in seinen Landschaftsdarstellungen einzufangen und mit den Lichtern der verschiedenen Tageszeiten zu vereinen. Sein künstlerisches Werk besticht dabei durch die fast poetische Darstellung der verschiedenen Stimmungen weiter Landschaften. Einige Bilder zeigen zudem eine Beeinflussung durch holländische Meister des 17. Jahrhunderts oder wie in der „Südlichen Landschaft“ eine gewisse Affinität zu Bildern eines Rottmann. Andere Bilder sind dagegen nur Mittelmass. Sie wirken sehr flach und ohne den rechten Esprit gemalt und zeugen von einem eher gequälten, lustlosen Naturell des Künstlers. Sie erreichen auch nicht die Tiefe der Bilder vieler seiner ehemaligen Mitschüler und Kollegen. Einige Bilder, wie zum Beispiel die Seelandschaften, die nahezu immer den gleichen Bildaufbau und ähnliche Staffagen aufweisen, erscheinen fast schon beliebig und schaffen es nicht immer, den Betrachter nachhaltig zu berühren. Vermutlich sichern jedoch gerade diese Bilder Studer das Überleben, denn damit trifft er wahrscheinlich den Geschmack einer bestimmten Käuferschicht.

Es ist nicht bekannt, weshalb seine Schaffenskraft schon in den besten Jahren nachlässt. Ist es sein ausschweifender Lebensstil? Sind es gesundheitliche Gründe oder finanzielle Not, die ihn aus der Bahn werfen? Ist Studer ein Paradebeispiel für einen gescheiterten Künstler wie in Kellers „Der grüne Heinrich“? Ging es ihm etwa so wie Gottfried Keller  als Maler, der spürte, dass ihm noch einiges fehlte an Sicherheit und kompositorischer Gestaltung, an einer subtilen Farbgebung, als er einst vor den Werken eines Rottmann, eines Steffan oder eines Zünd stand. 52  Fehlte auch Studer das letzte Quäntchen Können oder kämpfte er nur immer wieder mit seiner Trägheit? Auch Gottfried Keller „bezichtigte sich immer wieder der blossen Faulheit. Dass er in seiner Münchner Zeit gewisse Neigungen zu den ausufernden Kneipsitten der Künstlerbohème besass, kann nicht geleugnet werden.“ 53 Bernhard Echte weist in einem Beitrag zu Gottfried Keller und seinem Roman „Der grüne Heinrich“ darauf hin, dass dieser Hinweis möglicherweise zu kurz greift, und er sucht die möglichen Gründe für ein Scheitern auch in der Psyche und im Temperament eines Malers. Da ist die methodische Regelmässigkeit des Arbeitens, die manchem zutiefst widerstrebt, die Entseelung und Profanierung, die mit Technik und Zugeständnissen an den Geschmack verbunden sind. Aber noch schwerer wiegen „Erlebnisse tiefster Schuld-Verstrickung“, die durch die Flucht ins Malen, in „selbstvergessene Hingabe“, aufgearbeitet werden. Das Malen wird so zu einer „Art von träumerischem Therapeutikum, ein Ausdruck der Selbstsorge und die Quelle eines eigentümlichen Glücks.“ 54 Gibt es bei Studer Parallelen zum „Grünen Heinrich“? Bleibt sein Charakter ungefestigt und unausgeglichen, weil er den frühen Tod der Mutter nicht verarbeitet hat? Warum verbringt Studer all die Jahre im Ausland, wo er doch zuhause grosse Anerkennung findet und seine Heimat, die er immer wieder malt, so sehr liebt?

Jules Pfluger hebt in diesem Zusammenhang noch einmal die Bedeutung Studers für seine Heimat hervor: „Was auch immer Bernhard Studers Leben und Werk nach kurzer Entfaltung und intensiver Blüte drosselte, die Solothurner und besonders die Gäuer dürfen in ihm jenen Künstler schätzen, der als erster die Schönheit und den besonderen Reiz der weiten Gäulandschaft erkannte und darstellte.55

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Gäulandschaft vom Kappeler Born in westlicher Richtung (im Besitz des Kunstmuseums Olten)

Studer gerät bereits kurz nach seinem Tod schnell in Vergessenheit. Er taucht nicht einmal im biographischen Künstlerlexikon von Dr. Alexander Müller aus dem Jahre 1882 auf, in dem nahezu alle seiner Kollegen vertreten sind. Um die Jahrhundertwende herum erinnert man sich wieder an ihn. Im grossen Künstlerlexikon bei Thieme-Becker ist er verzeichnet 56 und noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts werden Bilder von Studer wieder in Ausstellungen gezeigt. So ist er beispielsweise auch auf der „Großen Schweizer Kunstausstellung in Karlsruhe“ im Jahre 1925 vertreten. In einem Beitrag über die Schweizer Künstler wird er von Dr. K. Eberlein in einem Atemzug mit den grossen Schweizer Landschaftsmalern genannt„… Als Solothurner wäre noch Otto Frölicher (1840-1890) zu nennen, ein trefflicher Schüler Steffans und Achenbachs, der trotz französischer Einflüsse die Münchner Kunst vertritt und besonders in dem „Aufziehenden Gewitter an der Ammer“ sein großes Können zeigt. Sein Lehrer J.G. Steffan (1815-1905), der in München lebende Wädenswiler, wie auch der bei Solothurn geborene Bernhard Studer (1832-1868) sind durch gute Landschaften bemerkenswert. Steffan gehört ganz der Münchner Schule an, während Studer aus Schirmers Karlsruher Schule kam und – wie Stirnimann ein Freund Thomas – in München seine Lehre nicht ganz vergaß. Wie stark gerade München als Kolonie und Heimat der Schweizer Maler war, wird durch diese Künstler wieder deutlich  (…) Mit dieser Reihe schweizerischer Künstler und Kunstwerke, die in die Kunst der Gegenwart hinüberleiten, ist zugleich eine wertvolle wissenschaftliche Darstellung einer großen Epoche gegeben worden, die auch für unsere deutsche Malerei wichtig und wirksam war.“ 57 

In den darauffolgenden Jahren wird es dann allerdings still um den Maler aus Gunzgen. Hin und wieder werden seine Bilder auf kleineren unbedeutenden Auktionen gehandelt. Der Maler gerät mehr und mehr in Vergessenheit. Eines seiner besten und grössten Werke befindet sich noch heute in Staatsbesitz und kann auf Neu-Bechburg besichtigt werden. Zwei Gemälde finden den Weg in das Kunstmuseum Solothurn. Das Museum Olten besitzt vier Werke von ihm. Neben diesen Bildern in öffentlichem Besitz können nach und nach weitere Bilder ausfindig gemacht und dokumentiert werden, die sich in Privatbesitz befinden oder an Auktionen verkauft worden sind. Im Jahre 2006 taucht der Name des Malers Bernhard Studer allerdings ganz plötzlich wieder in den Medien auf. Ein Bild von ihm gelangt im Zusammenhang mit einer grossangelegten Kunstfälschungsaktion zu einiger Berühmtheit. Im Jahre  2001 wird die „Südliche Küstenlandschaft mit Reitern“ auf einer Auktion angekauft und taucht 2004 in Moskau wieder auf. Einige Details sind verändert und die Signatur Studers durch die eines bekannten russischen Künstlers (Feodor Vasiliev, 1850–73) ersetzt worden. Das Bild wird nun für viel Geld auf dem russischen Kunstmarkt angeboten. Doch der Schwindel fliegt auf und wird ausführlich in der Presse dokumentiert. 58

Immer wieder tauchen in den letzten Jahren Bilder von Bernhard Studer bei Auktionen in Deutschland, der Schweiz und Österreich und sogar in Polen auf. Eines seiner besten Gemälde aus den Gräflich Bernadotte’schen Sammlungen, Insel Mainau, wird 2004 in Stuttgart für eine beträchtliche Summe auf einer Auktion verkauft. Das Werkverzeichnis enthält heute mehr als 30 Gemälde. Daneben gibt es weitere Bildinhalte, die lediglich der Überlieferung nach bekannt sind.

Anmerkungen
Vgl. Pfluger, Jules: Bernhard Studer – der vergessene Maler aus Gunzgen, in: Oltner Neujahrsblätter, Olten 1983, S.52 (Die Kurzbiographie von Jules Pfluger, mit all den biographischen Daten, bildet die Grundlage für dieses Werkverzeichnis. Leider sind in diesem Aufsatz nicht alle Daten genau belegt.)

  1. Aerni, Walter, Geschichte der Gemeinde Gunzgen (Kanton Solothurn), Online-Dokumentation auf der Webseite der Gemeinde Gunzgen (Januar 2016)
  1. Pfluger, S.52
  2. Aerni, W., ebd.
  3. Vgl. Pfluger, ebd.
  4. Pfluger, ebd.
  5. Vgl. Schöb, Markus, München leuchtete, in Scherrer, Adrian (Hg.) : Grüner Heinrich – Lebensläufe zwischen Scheitern und Erfolg, Wädenswill 2005, S. 21
  6. Pfluger, ebd.
  7. Archiv der Kunstakademie München, Matrikelbücher der Kunstakademie, Jahrgang 1850
  8. Vgl. Schöb, S.20
  9. Pfluger, ebd.
  10. Vgl. Schöb, S.22
  11. Pfluger, ebd.
  12. Vgl. Archiv der Kunstakademie Düsseldorf, Schülerlisten der Malerschule, Schuljahre 1853 bis 1856
  13. Schroyen, Sabine, Bluthrote demokratische Tendenzen oder schöne Ein-tracht. in: Hundertfünfzig Jahre Künstlerverein Malkasten, Düsseldorf 1998, S.22
  14. Vgl. Schroyen, ebd.
  15. Theilmann, Rudolf, Die Schülerlisten der Landschafterklassen von Schirmer bis Dücker in: Die Düsseldorfer Malerschule,Düsseldorf 1979, S.144ff.
  16. Archiv der Kunstakademie Düsseldorf, Schülerlisten der Malerschule 1855
  17. Pfluger, ebd. S.52
  18. Archiv der Kunstakademie Düsseldorf, Schülerlisten der Malerschule 1856
  19. Thoma, Hans, Aus achtzig Lebensjahren, Ein Lebensbild aus Briefen und Tagebüchern, Leipzig 1921, Briefe 1859-1862, S. 13ff.
  20. Thoma, ebd.
  21. Thoma, S.15
  22. Thoma, S.18
  23. Pfluger, ebd.
  24. Kauhausen, Paul (Bearb.): Die Lebenserinerungen des Johann Wilhelm Schirmer, Niederrheinische Landeskunde Band 1, Krefeld 1956, S. 67
  25. Theilmann, Rudolf, Die Lebenserinnerungen von Eugen Bracht, Karlsruhe 1973, S.55
  26. Vgl. v. Oechelhaeuser, Adolf, Geschichte der Grossh. Badischen Akademie der bildenden Künste, Festschrift zum 50jährigen Stiftungsfeste, Schülerlisten der Kunstakademie Karlsruhe, Karlsruhe 1904
  27. Theilmann, Rudolf, Die Lebenserinnerungen von Eugen Bracht, Karlsruhe 1973, S.53f.
  28. Thoma, ebd.
  29. Thoma, Hans, Im Winter des Lebens, Jena 1919, S.34
  30. Thoma, Aus achtzig Lebensjahren, S.24
  31. Kauhausen, S. 36
  32. Theilmann, Rudolf, Die Lebenserinnerungen von Eugen Bracht, S.68f.
  33. Thoma, Aus achtzig Lebensjahren, S.41
  34. Theilmann, R., Die Lebenserinnerungen von Eugen Bracht, S.75
  35. Thoma, ebd. S.43
  36. Thoma, ebd. S.44
  37. Brief des Malers Canon an einen Schüler aus dem Jahre 1869, abgedruckt in: v. Oechelhaeuser, Adolf, Geschichte der Grossh. Badischen Akademie der bildenden Künste, Festschrift zum 50jährigen Stiftungsfeste, Karlsruhe 1904, S.137 . Vielleicht spielten auch politische Gründe – der Konflikt zwischen Preussen und Österreich – eine Rolle in der Auseinandersetzung an der Karlsruher Akademie. Canon war jedenfalls bestrebt, die regionale Kunst zu fördern. Er forderte die Einrichtung von freien Meisterateliers, in denen die jungen Künstler Gelegenheit bekamen, fernab von strengen akademischen Prinzipien ihren eigenen Stil zu entfalten. Er kritisierte auch insbesondere Gude als jemand, „der  jedes selbständige, sich von seiner Richtung entfernende Talent unterdrückte.“   (Vgl. hierzu auch Nicolai Strøm-Olsen, Kampen om hegemoniet ved en kunstskole, in: Filologen, Allmennkulturelt tidskrift for Humanistisk Fakultet ved UIO,Nr.3/4, Oslo 2006, S. 20ff.)
  38. Thoma, ebd., S.48
  39. Schülerlisten der Kunstakademie Karlsruhe, in: v. Oechelhaeuser, 1904
  40. Thoma, ebd., S.66
  41. Thoma, ebd., S.65
  42. Stadtarchiv München, Melderegister der Stadt München von 1865
  43. Vgl. Pfluger, ebd., S.53
  44. Reisen von Bernhard Studer können nicht genau belegt werden. Anhand der Bildinhalte lässt sich aber vermuten, dass er neben dem heimatlichen Gäu auch den Walensee, den Bielersee und einige andere Orte in den Alpen aufgesucht hat. Nicht auszuschliessen ist auch ein Aufenthalt in den französischen Alpen.
  45. Stadtarchiv München, Melderegister 1865 -1868
  46. Archiv des Erzbistums München und Freising, Auszug aus dem Sterberegister vom 24. April 1868
  47. Solothurner Landbote v. 11.06.1868
  48. Vgl. Pfluger, ebd. S.53
  49. Vgl. Schöb, S.24
  50. Vgl. Echte, Bernhard, Die Schule des Scheiterns, in Scherrer, Adrian (Hg.): Grüner Heinrich – Lebensläufe zwischen Scheitern und Erfolg, Wädenswill 2005, S. 46
  51. Echte, S.47
  52. Echte, S.48
  53. Pfluger, S. 53
  54. Vgl. Müller, Hermann Alexander: Biographisches Künstler-Lexikon, Leipzig 1882. Vgl. Thieme-Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Band XXXII, Leipzig 1938
  55. Eberlein, K., in: Zeitschrift für Kunst und Dekoration, Große Schweizer Kunstausstellung in Karlsruhe, Heft 2, Darmstadt 1925, S.122
    Vgl. auch Ganz, Paul (Hrsg): Jahrbuch für Kunst und Kunstpflege in der Schweiz, 1915-1921, Basel 1923, S. 150.
  56. Siehe hierzu: Jens Hartmann, „Freche Fälscher: Russlands wahre Meister“, in: Die Welt v. 20.9.2006 oder auch Ralph Pöhner, „Ein Skandalinski“, in: Weltwoche Nr.40, vom 5.10.2006

Literatur
Aerni, Walter: Geschichte der Gemeinde Gunzgen,
Online-Dokumentation (www . gunzgen . de)
Beringer, J.A. (Bearb.), Hans Thoma – Aus achtzig Lebensjahren,
Ein Lebensbild aus Briefen und Tagebüchern, Leipzig 1929
Brun, Carl (Red.): Schweizerisches Künstler-Lexikon,
Hrsg. v. Schweizerischen Kunstverein, Bd.III, Frauenfeld 1913
Ganz, Paul (Hrsg): Jahrbuch für Kunst und Kunstpflege in der Schweiz, Basel 1923
Kalnein, Wend von (Hg.): Die Düsseldorfer Malerschule, Düsseldorf und Darmstadt 1979
Kauhausen, Paul (Bearb.): Die Lebenserinnerungen des Johann Wilhelm Schirmer,
Niederrheinische Landeskunde Band 1, Krefeld 1956
Koch, A. (Hg.): Zeitschrift für deutsche Kunst und Dekoration, Hrsg., Heft 2, XXIX Jahrg., Darmstadt 1925
Künstlerverein Malkasten Düsseldorf: Hundertfünfzig Jahre Künstlerverein, Düsseldorf 1998
Müller, Hermann Alexander: Biographisches Künstler-Lexikon, Leipzig 1882
Pfluger, Jules: Bernhard Studer der vergessene Maler aus Gunzgen, in: Oltner Neujahrsblätter 1983
Scherrer, Adrian (Hg.): Grüner Heinrich – Lebensläufe zwischen Scheitern und Erfolg,  Wädenswill 2005
Strøm-Olsen, Nicolai: Kampen om hegemoniet ved en kunstskole, in: Filologen, Allmennkulturelt tidskrift for Humanistisk Fakultet ved UIO, Nr.3/4, Oslo 2006
Theilmann, Rudolf (Hg.): Die Lebenserinnerungen von Eugen Bracht, Karlsruhe 1973
Thieme-Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Band XXXII, Leipzig 1938
Thoma, Hans: Im Winter des Lebens , Erinnerungen, Jena 1919
Oechelhaeuser, Adolf, Geschichte der Grossh. Badischen Akademie der bildenden Künste, Festschrift zum 50jährigen Stiftungsfeste, Karlsruhe 1904

Quellen
Archiv Kunstakademie Düsseldorf
Archiv Künstlerverein Malkasten, Düsseldorf
Archiv Kunstakademie, München
Archiv des Erzbistums München und Freising
Stadtarchiv München
Kunstmuseum Olten
Kunstmuseum Solothurn
Online-Auktionen
Wikipedia
Werkverzeichnis Bernhard Studer