Wangner Chinderfasnecht

I de Muntere vom Studer Lini und vom Herecoifför Schéleo si a hölzige Gschtell allergattig Larve ghanged: Micky Müüs und anderi Tier, Häxe und eiäugigi Pirate, übelhübschi Wyber und gförchtigi Fratze. Der Schéleo hed übrigens dä Übername überchoo will er mid em Spruch „Coiffure chez Leo Koch“ Wärbig gmacht hed. Uf de Schoufäischtersims si Chäpseli- und Knallfixpistole, Rätsche, Papierschlange, Konfetti und no vill meh anders Fasnachtszüüg usgestellt gsi. Keis Wangner Chind isch dra verbyglaufe ohni dä Chram go aazluege. A de Telefonstange und i de Lääde si Plakat ghanged wo für d Fasnachtsbäll gworbe hei – der Turnermaskeball im Casino, der Negerball im Brune Mutz und der Hootschiball am Fasnachtszystig. Jo, z Wange si d Lüüt sälbmol, afangs füfzger Johr rächt fasnachtsverruckt gsi. Sogar en Umzug mit Wääge, Latärne, Chüble und vil Lärme wo z nacht durs Dorf zogen isch heds albe geh. Und dä Fasnachtsvirus hed sech natürli au uf öis Chind übertreit.

„Machsch mit mir zäme Fasnacht am nöchste Donnstig“, hed mi der Föiftklässler Heinz gfrogd nach der Schuel. „Gueti Idee, I bi derby, vlicht macht der Köbi au mit. I will ne frooge“, hanem gseit. Und so isch’s choo, dass mir drüü Gspahne am schuelfreie Nomittag vom Fasnachtsdonnstig uf öisem Estrich i zwöi grosse Trucke gwüehled hei. Uf de Deckle isch i Frakturschrift  gstande: FASNACHTSSACHEN. Alti Hose und Tschööpe, Jupe und Junti, Krinoline, Tschäpper, Perügge, Paraplü und Schueh us Grossmueters Zyte und au es Sortimänt vo alte Larve, si drin uufbewahrt worde. Mir si übereis choo, dass mir öis zu richtig hässleche Böögge wei verchleide, zu Usgstopfte. Doo derfür simer vorhär go Strou reiche bimene Buur und hei dermit öisi Hose und Hömmli vollgstopft. I hami als Hootsch agleit, mideme länge schwarze Rock und ere roote Scheube vo mir Mueter. Derzue hani mi midere ufbloosde Söiblootere bewaffned, woni bim Metzger Haslibacher bi go reiche. Der Köbi hed sich vo irgend neume här e Gügge bsorged und der Heinz hed vo deheime en alte Spazierstock mitgnoo. Nachdäm mir fertig agleit gsi si, hei mer is fasch sälber gförchted vorenand.

Druf si mer looszoge, us em Huus, der Ochsehübel ab im Dorf zue. Dört hed sich scho es narächtigs Trybe vo andere Chindermaske abgspilt. Jüngeri hei als Coboy mit Chäpslipistole umepülvered, die ältere mit luute Knallfix. Di Chlyne si mid ihrne Müetere unterwägs gsi, als Chemifäger, Indianer, oder vornähmi Frölein, mid und ohni Maske. D Buebe hei sich Schnäuz und Gotlette gschminkt, d Meitschi roti Lippe und Backe wie Prinzässinne. Sälbmöl si no weeni Outo gfahre. Nume paar wenigi hei eis gha im Dorf. D Buebe hei die Gfährt mit Papierschlange bombardiert wo sich a den Outoantenne verfange hei. By paarne sövel Schlange a der Frontschybe blybe hange, dass si hei müese ahalte um das Papierzüügs wägtue. Aber kei Schöfför hed sich drüber gergered oder balged. Sogar der Landjeger Hänggi uf der Strossechrüzig hed die Buebe lo ihre Spass ha.

Dur das Gwüel isch öises Maskegrüppli noodisnoo wyterchoo, verby am Casino, em Schuemacher Flury und der Drogerie Schaltebrand. Der alt Schaltebrand mid der Glatze und de länge, wysse Hoor a de Schlääfe isch vorusse uf der Stääge gstande, hed über der töifufgsetzte Brille a sir Nase gchratzed und däm Trybe zuegluegt. Er hätti sälber es Sujet für ne Larve abgee. „Schaltebrand heiter ächt es Süessholz für zäh Batze“, hed eine vo öis vom Trottwar übere gheeped. So hei mer unterwägs allerlei Unfueg tribe und si mit Gragöhl umegumped wie numen öppis. I ha mi Söiblootere den andere Chind übere Chopf täscht, der Köbi hed mit sinere Güügge alli Register ghorned und der Heinz hed mid em Stäcke i der Luft ume gfuchtled, dass die chlynere Chind grüüsli verschrocke si. Es paar hei vor Angst gar afo brüele.

I der Dorfmitti bi der alte Linde und em Brunne, dört wo wie au a däm Taag eisder der Gross Willy gstande isch und de Froue Komplimänt zuegrüeft hed,  ischs Fasnachtstrybe am grösste gsi. Dänk will dört au no d Chinder vo Chlywange derzue gstosse si. Vor der Post heds e ganzi Tschuppele Chind und Erwachsni gha, wo au mir derzue cho si. Do chunnt vom Pfarrhuus här starregangs der Herr Vikar Huwiler zur Post übere cho z loufe. I der Hand hed er es paar Briefe gha, woner i der Post hed welle i Briefchaste gheie. Wo Ehrwürden vor öis verby stolziert, hani zu mim Entsetze gwahred, wie der Heinz näbenamer ufeinisch si Spazierstock umedräit. Drtuusigsgottswille, dä wird doch nid öppe….. Aber bevor ig öppis dergäge ha chöne unterneh, hed er midem rundbogne Griff im Vikar bimeid der Hoogge gstellt. Dä isch zerscht gstolpered, hed den aber s Glychgwicht volländs verlore, dass en gstötzlige überböckled hed. I sim Talar isch er büchligs, derlängewäg im Roosebeet vor der Post glanded, woner e Momänt isch blybe ligge wie a der Prostratio am Karfrytig i der Chile.

Was i däm Momänt im Heinz vorgangen isch, chan i nume erahne. I sälber ha im Schock nid gwüsst, öbi ab däm tragischkomische Bild vom Vikar im Roosebeet luut söll afo lache oder d Finke chlopfe. S Letschtere wär sicher am gschidschte gsi. Dummerwys simer aber alli drü wie agwachse blybe stoh. Nangerno hed sich der Vikar erbchymed und müesam ufgrappled, ohni zerscht sini Briefe uufzläse wo verschtreut am Bode umgläge si. I nes paar Sätze lauft er zum Heinz dure wo wie ne Ölgötz no mid em umkehrte Spazierstock i der Hand duuch dört gstande isch, rysst däm d Larven abe und verpasst im zwo schallendi Flättere – eini vo links und eini vo rächts – dass dä arm Kärli s Füür im Elsass gseh hed. De hed der Vikar poleeted: „Aha, usgrächned du bisch das gsi, wirsch no vomer ghöre du Sürmel!“

Derby mues me wüsse, dass der Heinz Ministrant gsi isch, ganz zum Wohlgfalle vo sir töif religiöse Mueter us de Ländere. Also kei unbekannte im Pfarrhuus. Und all Lüüt zringelum hei Muulaffe feil ghalte und jetz gwüsst wär im Vikar so öppis Schrecklichs bosged hed. Momoll, das git öppis z rätsche und durezhächle im Dorf! Gottlob hed mi Jugendschwarm, im Poschthalter sis Töchterli, wo obeninn uf em Balkon zuegluegt hed nid chöne gwahre, das ii der Hauptseebis vo dene drüü Usgstopfte gsi bi.

„Chömed, mir hauen ab!“ hani derno mine zwöi Kumpane zuegflüstered. Und scho si mer i de hääle Sätze richtig Oberdorf abdüüsed. Erst bim Woddtli-Beck obe hei mer aghalte um nis vom Gschehniss zerbchyme und si dört go nes Schänkeli poste. Der Heinz hätti gar kei Larve me bruucht. Sini Backe hei usgseh wie rot agmooled. Drum isch drufabe eusi gueti Fasnachtsluune verständlicherwys e chly im Eimer gsi.

Was dä Vorfall bim Heinz deheime und süsch für Konsequänze gha hed, heimer nid vernoh. Er hed‘s öis nie gseit und spööter gar bhaupted, ii heig ne zu dere Schandtat ufgreised – so ne Chutzemist! Enewääg hed do der Heinz vo dört aa nüme lang der Wiewasserchessel, s Wierauchfass und Dotsche treit bi de Ministrante und isch nachane zu der Jugendryge i Turnverein. Au vo sälber Zyt wüsst i no es Gschichtli vom Heinz, aber das schrib i de villecht mol spööter uuf.

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